
Diejenigen unter uns, die Anfang der 70er Jahre geboren sind, werden sich noch gut daran erinnern können, dass Marienkäfer in unserer Jugend eindeutig weniger Punkte auf dem Rücken hatten. Schaut man jedoch heute etwas genauer hin, fallen einem immer öfter Marienkäfer auf, die bis zu 19 schwarze Punkte aufweisen können. Auch variiert die Farbe ihrer Deckflügel von hellrot bis hellorange. Manchmal sind die schwarzen Punkte sogar so groß, dass es bei flüchtiger Betrachtung so aussieht, als ob man gerade einen schwarzen Käfer mit roten Flecken beobachten würde.
Sollte Euch schon mal so ein Käfer aufgefallen sein, dann Glückwunsch – Ihr habt soeben einen Asiatischen Marienkäfer entdeckt. Die Art kommt ursprünglich aus Asien, und irgendjemand hielt es gegen Ende des 20. Jahrhunderts für eine gute Idee, sie zur Schädlingsbekämpfung auch in Europa anzusiedeln. Nun, kaum zwei Jahrzehnte später, befürchtet man, dass dieser Käfer durchaus das Potenzial hat, einheimische Marienkäferarten (und auch andere Insektenarten) zu verdrängen.
Der Grund für seinen Erfolg liegt in seiner schieren Anpassungsfähigkeit: Der Asiatische Marienkäfer frisst nicht nur Blattläuse, sondern bei Nahrungsknappheit auch die Larven und Eier anderer Marienkäferarten – seiner einheimischen Konkurrenz macht er es damit gleich doppelt schwer. Zudem ist er widerstandsfähiger gegen Kälte und verträgt sich mit Krankheitserregern, gegen die europäische Arten kaum eine Abwehr haben.
Besonders unser bekannter Siebenpunkt-Marienkäfer gerät zunehmend unter Druck. In manchen Regionen ist sein Bestand bereits messbar zurückgegangen, seit sich der Asiatische Marienkäfer flächendeckend ausgebreitet hat.
Wer im Herbst schon mal Hunderte Marienkäfer an seiner Hauswand oder im Fensterrahmen entdeckt hat, kennt das Phänomen aus eigener Erfahrung: Der Asiatische Marienkäfer sucht sich gerne Gebäude als Winterquartier und tritt dabei oft in großen Schwärmen auf – ein Verhalten, das man von unseren heimischen Arten so nicht kennt.
Untersuchungen zeigen, dass sich die Art in Deutschland seit ihrer ersten Sichtung im Jahr 2002 rasant ausgebreitet hat und mittlerweile in nahezu allen Bundesländern heimisch geworden ist.
Den Asiatischen Marienkäfer kann man übrigens sehr leicht an einer schwarzen Zeichnung auf dem hellen Halsschild erkennen, welche die Form eines „M” oder eines „W” hat. Achtet mal bei meinem Foto darauf. Dadurch fällt dieser Käfer auch in freier Natur sofort ins Auge.
Passt auf Euch auf und bleibt gesund
Euer Maic
