
Mit dem Thema Libellen beschäftige ich mich fotografisch ja nun schon eine ganze Weile und in den letzten Jahren sind mir auch durchaus ein paar vorzeigbare Aufnahmen gelungen. Unter anderem Libellen während des Fluges, Libellen im Paarungsrad und Aufnahmen der unterschiedlichsten Gattungen. Was mir jedoch bisher immer gefehlt hat, war eine Libelle in der Oviposition. Also ein Libellenweibchen bei der Eiablage. Doch mit diesem Motiv ist nun auch diese Lücke endlich geschlossen.
Die auf dem Foto zu sehende Haltung des Weibchens ist übrigens typisch für die Eiablage. Die gestreckten Beine und die ins Wasser eingetauchte Hinterleibsspitze sind die gut erkennbaren Merkmale dieses Vorgangs. Dabei sticht das Weibchen die Eier direkt in Planzenteile im oder am Wasser.
Dabei ist die Eiablage an sich schon ein faszinierender und strategisch hoch entwickelter Prozess. Da die Larven der Libellen im Wasser leben, erfolgt die Eiablage stets in oder in unmittelbarer Nähe von Gewässern. Dabei legt die Große Königslibelle ihre Eier immer endophytisch (in Pflanzengewebe) ab.
Im Gegensatz dazu, gibt es noch die exophytische Eiablage oder auch freie Ablage genannt. Hier besitzen die Weibchen keinen Legestachel und die Eier, die zumeist rundlicher sind, werden direkt abgegeben. Dazu fliegen die Weibchen dicht über der Wasseroberfläche und streifen die Eier ab oder werfen diese im Flug ab. Manchmal versenken sie die Eier auch im seichten Schlamm oder Kies am Ufer.
Die Weibchen der Großen Königslibelle sind aber mit einem speziellen Legebohrer ausgestattet, mit dem sie Pflanzenteile anritzen können, um dann die Eier direkt in das Gewebe von lebenden oder abgestorbenen Pflanzen einzustechen. Dadurch sind die Eier vor den meisten Fressfeinden, dem Austrocknen und extremen Temperaturschwankungen gut geschützt.
Darüber hinaus legen die Weibchen der Großen Königslibelle ihre Eier immer komplett alleine ab (solitäre Ablage), ohne dass das Männchen im Tandemflug über ihr schwebt oder sogar während der Eiablage mit ihr verbunden bleibt.
Hier unterscheiden Libellenkundler (Odonatologen) drei Verhaltensweisen:
Tandem-Ablage: Während der gesamten Eiablage bleibt das Männchen fest mit seinen Hinterleibszangen am Kopf oder dem Hals des Weibchens eingekoppelt. Hierbei führt er das Weibchen von Ablageplatz zu Ablageplatz (z.B. bei Azurjungfern).
Bewachte Ablage: Hierbei trennt sich das Paar, das Männchen schwebt aber die ganze Zeit dicht in der Luft über dem Weibchen. Jegliche sich nähernde Rivalen werden sofort attackiert.
Solitäre Ablage: Das Weibchen legt die Eier komplett alleine und unbeobachtet ab. Dies geschieht oft in den frühen Morgenstunden und zumeist auch versteckt in der Uferböschung. Dadurch vermeidet sie den Kontakt mit zu aufdringlichen Männchen.
Diese Dreiteilung der Ablageverhalten ist dabei eine gängige, in der Libellenkunde anerkannte Klassifizierung – fachlich nicht falsch, wird aber in meinem Text sehr vereinfacht dargestellt (in der Realität gibt es Übergänge und artspezifische Varianten).
Ist die Eiablage erst einmal erfolgt, schlüpfen nach wenigen Wochen (oder auch nach einer Überwinterung erst im nächsten Frühjahr) die sogenannten Prolarven. Schon während sich diese ins Wasser begeben, erfolgt die erste Häutung oder direkt danach. Erst dadurch wandelt sich die Prolarve in die eigentliche Libellenlarve um.
Diesem Vorgang folgen – je nach Art – noch 8 bis 18 weitere Häutungsstufen (Stadien), bis die Larven ausgewachsen sind. Dieser Prozess kann wiederum zwischen 2 Monaten und 5 Jahren dauern. Für die Große Königslibelle wird dieser Zeitraum zumeist mit ein bis zwei Jahren angegeben, je nach Quelle mit saisonalen und regionalen Schwankungen.
Direkt nach dem letzten Larvenstadium kriechen die Larven dann ans Ufer und die erwachsene Libelle (Imago) schlüpft direkt aus der Larvenhaut.
Spannend, oder? Das soll es an dieser Stelle aber auch erst einmal mit dem Biologieunterricht gewesen sein ;-)
Bleibt gesund und passt auf Euch auf
Euer Maic
