„In der Wüste (oder auch nicht)“

Foto­gra­fie hat auch immer etwas mit Täu­schung zu tun. Sei es nun der Model-Foto­graf, der sein Model mit­hil­fe von Make-up und Licht gut aus­se­hen lässt, oder der Food-Foto­graf, der Euch mit Wasser gemisch­tes Motor­öl als zart­schmel­zen­de Scho­ko­la­de unter­ju­belt. Kurzum: Foto­gra­fen tun manch­mal Dinge, für die jeder Gebraucht­wa­gen­händ­ler sofort in den Knast käme ;-)

Doch wie steht es schon so schön in der Bibel geschrieben: 

Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.

(Römer 2.1)

In diesem Sinne beken­ne ich mich eben­falls als „guilty as char­ged“, um an dieser Stelle mal einen meiner Lieb­lings-Angli­zis­men zu bemü­hen (steht übri­gens für: “Schul­dig im Sinne der Anklage”).

Auch ich ver­wen­de aller­lei „Zau­ber­tricks“, um meine Fotos gut aus­se­hen zu lassen. Sei es jetzt die Ver­wen­dung von Pho­to­shop, Ligh­t­room und Co. oder auch ein­fach nur die geschick­te Wahl des rich­ti­gen Blick­win­kels, der rich­ti­gen Brenn­wei­te oder der opti­ma­len Tages­zeit.

Auch ich habe manch­mal eine Motiv-Idee, merke dann bei der Umset­zung aber ganz schnell, dass hier etwas nicht passt oder sich die Dinge nicht so wie in meinem Kopf zusam­men­fü­gen. Dann kommt es auch schon einmal vor, dass man eine Idee ver­wer­fen oder mit dieser zurück an den Zei­chen­tisch muss. Auf­ge­ben ist schließ­lich dann doch keine Option.

Dann gibt es wieder diese Tage, an denen sich alles fügt. So gesche­hen bei diesem Motiv, wel­ches den Ein­druck erweckt, als wäre es in der Wüste von Ari­zo­na auf­ge­nom­men worden. Ich kann Euch aber ver­si­chern, wurde es nicht. Dafür musste ich noch nicht einmal meinen Hei­mat­ort verlassen ;-)

Fol­gen­de Zuta­ten waren nötig, um den­noch diese Illu­si­on beim Betrach­ter zu erwe­cken: ein top­ge­pfleg­ter Chrys­ler 300 aus dem Bau­jahr 1970; ein Bau­grund, der einen wüs­ten­ähn­li­chen Boden auf­weist; blauer Himmel und leich­te Wölk­chen; die rich­ti­ge Tages­zeit und ganz viel Geduld.

Der Rest des Looks ent­stand dann am hei­mi­schen PC, zum Bei­spiel in Form von Color-Gra­ding. Das Blau des Him­mels, die Farbe des Bodens, der Glanz des Lacks – alles wurde auf Wüste getrimmt. Anschlie­ßend wurden stö­ren­de Ele­men­te und uner­wünsch­te Spie­ge­lun­gen ent­fernt. All dies waren Auf­ga­ben, für die Pho­to­shop gera­de­zu prä­de­sti­niert ist. Die ein­zel­nen Arbeits­schrit­te erspa­re ich Euch an dieser Stelle, doch lasst Euch gesagt sein: Es waren so einige.

Ist dieses Bild nun per­fekt? Garan­tiert nicht, so wie keines meiner Fotos. Für sich Per­fek­ti­on zu bean­spru­chen, ist zumeist auch ein klares Zei­chen von Hybris. Ich per­sön­lich bin dage­gen schon zufrie­den, wenn es dem Betrach­ter gefällt und die Illu­si­on bei diesem funktioniert.

In diesem Sinne, passt auf Euch auf, macht es gut und bis dem­nächst.
Euer Maic

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