„Seilerei“

Die alte Sei­le­rei aus Wip­per­fürth ist ein fas­zi­nie­ren­des Zeug­nis der Hand­werks­kunst des 19. Jahr­hun­derts. Heute steht sie im LVR-Frei­licht­mu­se­um Lind­lar und bietet Besu­chern die Mög­lich­keit, in die Welt der tra­di­tio­nel­len Seil­her­stel­lung einzutauchen.

Doch wie kam es dazu, dass dieses his­to­ri­sche Gebäu­de nach Lind­lar umge­sie­delt und nicht ein­fach abge­ris­sen wurde? Und die viel grö­ße­re Frage: Welche Rolle spiel­te die Sei­le­rei in der Region?

Erbaut wurde die Sei­le­rei in Wip­per­fürth Ende des 19. Jahr­hun­derts vom Sei­ler­meis­ter A. Schau­kow­ski. Die Sei­le­rei war damals ein wich­ti­ger Bestand­teil der loka­len Wirt­schaft, denn Seile wurden sowohl in der Land­wirt­schaft, und im Bau­hand­werk als auch in der Schiff­fahrt benö­tigt. Später wurden auch Seile für die Tep­pich­pro­duk­ti­on gefertigt.

Mit der Erfin­dung der syn­the­ti­schen Fasern und der wach­sen­den Indus­tria­li­sie­rung begann der Nie­der­gang des Sei­ler­hand­werks. Dar­über hinaus ließen sich die moder­nen Mate­ria­li­en nur sehr schwer von Hand ver­ar­bei­ten. Schließ­lich führte kein Weg mehr an der Schlie­ßung der Sei­le­rei vorbei, die im Jahr 1972 erfolgte.

Erst im Jahr 1986 erwarb der LVR das Gebäu­de und ret­te­te es so vor dem Ver­fall. Vor Ort wurde alles ori­gi­nal­ge­treu abge­baut, nach Lind­lar ver­bracht und dort im Jahr 2001 wieder auf­ge­baut. Dabei wurde großes Augen­merk darauf gelegt, dass der his­to­ri­sche Sei­ler­gang erhal­ten bleibt.

Die Sei­le­rei stellt seit­dem einen festen Bestand­teil der Aus­stel­lung dar und ver­mit­telt den Besu­chern einen authen­ti­schen Ein­druck vom Leben und Arbei­ten im Ber­gi­schen Land um 1920. Zudem können die Besu­cher nicht nur zuschau­en, son­dern auch selbst Hand anle­gen und unter fach­kun­di­ger Anlei­tung Seile schlagen.

Heute gehört die Sei­le­rei im Frei­licht­mu­se­um zum Ensem­ble “Ober­lin­gen­bach” und fügt sich dort har­mo­nisch in die Umge­bung ein. Umge­ben von ande­ren his­to­ri­schen Gebäu­den, Fel­dern und Gärten, spie­gelt dies ein authen­ti­sches Erleb­nis des Lebens von vor 100 Jahren wider.

Ich per­sön­lich kann Euch einen Besuch nur drin­gend ans Herz legen, soll­tet Ihr Euch in der Nähe des LVR-Frei­licht­mu­se­ums auf­hal­ten. Es lohnt sich!

Bis dem­nächst
Euer Maic

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