“Doppelter Triumph“

Im letz­ten Novem­ber ging eines Tages plötz­lich mein Handy und am ande­ren Ende der Lei­tung war ein guter Bekann­ter aus Düs­sel­dorf. Dieser teilte mir dann kurz & knapp per Tele­fon mit, dass sich zwei sehr sel­te­ne Fahr­zeu­ge in seinem Besitz befin­den würden und ob ich diese für Ihn foto­gra­fie­ren könnte. Um was für Fahr­zeu­ge es sich letzt­end­lich han­deln sollte, wusste ich zu diesem Zeit­punkt noch nicht. Da ich bei klas­si­schen Auto­mo­bi­len aber eh nur sehr schlecht Nein sagen kann, habe ich also kur­zer­hand zugesagt.

Schon am nächs­ten Morgen habe ich mich auf den Weg nach Düs­sel­dorf gemacht, nichts ahnend was mich dort für auto­mo­bi­le Kost­bar­kei­ten erwar­ten würden. Umso größer war meine Über­ra­schung, als ich einen ersten Blick auf die Fahr­zeu­ge werfen konnte. Dort stan­den wahr­lich und leib­haf­tig zwei super­sel­te­ne Tri­umph TR S. Zwei von nur vier jemals gebau­ten Fahr­zeu­gen und ich hatte einen Foto-Termin mit diesen Schön­hei­ten. Mein erster Gedan­ke in diesem Moment: „Der liebe Gott muss ein Auto-Lieb­ha­ber sein!“

Knapp zwei Stun­den später waren die Fotos auch schon im Kasten und ich dachte an dieser Stelle doch ernst­haft, dass ich nun die meiste Arbeit schon hinter mir hätte. Doch weit gefehlt! Bei der Recher­che zu Daten und Infor­ma­tio­nen über diese vier Tri­umph-Werks­fahr­zeu­ge bin ich schier ver­rückt gewor­den. Zum ersten sind die Infor­ma­tio­nen sehr rar, dar­über hinaus auch noch gut über das gesam­te Inter­net ver­teilt und außer­dem reden wir hier über auto­mo­bi­le Zeit­ge­schich­te von vor knapp 58 Jahren. Sind diese vier Fahr­zeu­ge doch zum ersten Mal am 31.03.1960 über­haupt offi­zi­ell zuge­las­sen worden. Das Inter­net war damals Zukunfts­mu­sik, der Buch­druck stand noch hoch im Kurs und so man­cher Land­strich auf Mutter Erde wurde gerade erst von der Eisen­bahn erschlos­sen. Kurzum, der Worst Case für eine ordent­li­che Recher­che im Jahr 2018.

Zu guter Letzt konnte ich aber dann doch ein paar Infos zusam­men­tra­gen und diese möchte ich Euch an dieser Stelle auch nicht vorenthalten:

Im Januar des Jahres 1960 begann man im Stan­dard Triumph’s Com­pe­ti­ti­on Depart­ment mit dem Bau von vier Tri­umph TR S, welche an den 24 Stun­den-Rennen in Le Mans 1960 & 1961 teil­neh­men soll­ten. Gelie­fert wurden die Roh-Karos­sen vom Fletch North Expe­ri­men­tal Depart­ment und die Auf­sicht für das gesam­te Pro­jekt oblag Ken Richard­son, dem Chef des Com­pe­ti­ti­on Depart­ments. Ziel war es, bei allen ver­bau­ten Teilen so nah wie mög­lich an der Serie zu blei­ben und doch das Beste herauszuholen.

Letzt­end­lich blieb dies jedoch ein from­mer Wunsch und so ist es auch nur wenig ver­wun­der­lich, dass viele Bau­tei­le spe­zi­ell nur für diese Fahr­zeu­ge her­ge­stellt werden muss­ten. Zum Bei­spiel die Kur­bel­wel­len, diver­se Schwung­rä­der, alle Kolben, viele Gehäu­se, Ven­til­stan­gen usw. Die ein­zi­gen Stan­dard­ar­ti­kel sind die Ben­zin­pum­pe, die Was­ser­pum­pe und der Ver­tei­ler. Na ja, zumin­dest der Plan war gut …

Keine Kom­pro­mis­se wollte man auch bei den Moto­ren ein­ge­hen, wes­halb alle vier Fahr­zeu­ge mit 2.0 Liter Twin Cam Renn-Moto­ren – iro­nisch „Sabri­na“ genannt – aus­ge­stat­tet wurden.

Der Name „Sabri­na“ – und dafür steht wohl auch das „S“ in der Bezeich­nung TR S – geht zurück auf ein in den 1960ern sehr popu­lä­res Model und Kino-Stern­chen aus Eng­land. Deren kör­per­li­che Vor­zü­ge im Bereich ihrer Ober­wei­te sahen wohl gewis­sen Teilen bei den ver­bau­ten Moto­ren ähn­lich. Letzt­end­lich ein lau­ni­ger Witz der Motor­bau-Inge­nieu­re bei Triumph.

Nettes Detail am Rande: von den 2.0 Liter Twin Cam-Moto­ren wurden auch nur 10 Stück jemals gebaut!

Zum ersten Mal bei einem Rennen ange­tre­ten sind drei dieser Fahr­zeu­ge dann am 25. Juni 1960 auf dem Cir­cuit des 24 Heures in Le Mans, wo auch gleich erste Erfol­ge ein­ge­fah­ren wurden. So rich­tig erfolg­reich ver­lief aber erst das 24-Stun­den-Rennen von Le Mans am 10. Juni 1961. Dort stan­den drei TR S am Start und auch drei Fahr­zeu­ge über­quer­ten erfolg­reich die Ziel-Linie. Leich­te tech­ni­sche Pro­ble­me hatten dies ja im Vor­jahr ver­hin­dert. Von diesem Moment an war der Marke Tri­umph und dem TR S aber ein Platz in der Geschich­te von Le Mans sicher.

Zur bes­se­ren Unter­schei­dung der drei Renn­wa­gen wäh­rend des lau­fen­den Ren­nens, waren diese an der Front mit far­bi­gen Schür­zen ver­se­hen worden.  Der Tri­umph mit der Reg.-Nr. HP 926 war an der Front weiß lackiert, der HP 927 war rot lackiert und die Fahr­zeu­ge HP 928 & HP 929 waren mit einer gelben Front ver­se­hen worden. So waren die Fahr­zeu­ge bei allen Licht- und Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen stets gut im Fern­glas aus­ein­an­der­zu­hal­ten. Man darf schließ­lich nicht ver­ges­sen, dass wir hier über das Jahr 1960 reden. Damals stand noch nicht in jeder Kurve eine TV-Kamera und Tele­me­trie-Daten wurden auch nicht im Mil­li­se­kun­den-Takt an die Crew in der Box über­mit­telt. Die Renn­fah­rer damals waren noch echte Hand­wer­ker und ein Stück weit auch todes­mu­ti­ge Helden, die schein­bar ohne jede Spur von Angst Runde um Runde absolvierten.

In den darauf fol­gen­den Jahren tauch­ten die Fahr­zeu­ge dann auch immer mal wieder bei dem einen oder ande­ren Renn-Event auf und über­zeug­ten dort mit Zuver­läs­sig­keit, guten Durch­schnitts­ge­schwin­dig­kei­ten und meh­re­ren Erfolgen.

Leider ver­lie­ren sich in den dar­auf­fol­gen­den Jahr­zehn­ten ein wenig die Spuren und Hin­wei­se auf den Ver­bleib und Zustand dieser vier Fahr­zeu­ge und eine wei­te­re Recher­che gestal­te­te sich von daher extrem schwer für mich.

Was ich aber mit Sicher­heit sagen kann, dass der Tri­umph TR S mit der Regis­trie­rungs­num­mer HP 927 vor ein paar Jahren durch fach­kun­di­ge Händen kom­plett restau­riert worden ist und sich nun in Düs­sel­dorf befin­det. Dort wird dieser TR S zur­zeit von der Firma „Moven­di – The Spirit Of Clas­sic Cars“ zum Kauf angeboten.

Was so ein Auto heute kostet? Ganz ehr­lich? Ich habe keine Ahnung. Eines weiß ich aber ganz genau; hätte ich das Geld dafür, ich würde den TR S sofort kaufen. Man kann mit Worten und Bil­dern gar nicht beschrei­ben, was einem durch den Kopf geht und was man fühlt, wenn man plötz­lich hin­term Lenk­rad dieser auto­mo­bi­len Legen­de sitzt. Man berührt das Lenk­rad, den Schalt­he­bel, die Knöpfe und Schal­ter auf den Arma­tu­ren und über­legt sich, welche berühm­ten Renn­fah­rer hier wohl eben­falls schon geses­sen haben. Kurzum – ein Traum für jeden Auto-Liebhaber!

Wei­ter­füh­rend Links:

[1] Tri­umph Motor Com­pa­ny (Wiki­pe­dia)

[2] The Le Mans 1960 Tri­umph (Sabri­na) Twin Cam Preparation 

[3] TRS Comm. no. X654 res­to­ra­ti­on PROJECT 

[4] Tri­umph TR4 (TRS) — 1961 Le Mans 24hrs (10th June 1961) @ YouTube

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